Urban Landscape Graphics0.1.0

Leitfaden · Kapitel 1 von 8

Herkunft

Woher die Anmutung dieses Stils kommt: zwei Jahrhunderte lavierter Gartenpläne, Vermessungsblätter und Planzeichen, und warum eine Bibliothek der Weg ist, sie ins GIS zu übertragen.

6 Min. Lesezeit

Landschaften wurden von Hand gezeichnet, lange bevor man sie am Computer kartierte. Die sanfte Palette, die kleinen Büschel und Kronen und die ruhigen Konturen des UrbanSens-Stils sind keine Erfindung; sie sind eine Auswahl aus einer Tradition, die in den Gartenplänen und Vermessungsämtern des frühen 19. Jahrhunderts begann, mehrere davon in München, wo UrbanSens arbeitet.

Zeitleiste

1.1 Ein Park in Grün gemalt: München, 1789–1806#

Im August 1789 verfügte Kurfürst Karl Theodor die Anlage eines öffentlichen Parks entlang der Isar in München, auf Anregung von Benjamin Thompson, dem späteren Grafen Rumford. Friedrich Ludwig von Sckell gestaltete ihn als Landschaftsgarten; er wurde 1792 eröffnet und ist mit 3,75 km² einer der größten Stadtparks der Welt: der Englische Garten. Sckell leitete von 1804 bis zu seinem Tod 1823 die Münchner Hofgärten.

Ausschnitt aus dem Plan des Englischen Gartens von 1806: der Kleinhesseloher See, das Dorf Schwabing, Wiesen, Wälder und Wege in Aquarell
Ausschnitt aus dem Plan des Englischen Gartens, 1806: der Kleinhesseloher See, das Dorf Schwabing, Wiesen und Baumgruppen. Königlich bayerische Direction des Topographischen Bureaus. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Betrachten Sie die Farben dieses Blattes: blasse Grüntöne für die Wiesen, ein tieferes Grün für die Wälder, klares Blau für das Wasser, Ziegelrot für die Dächer, alles auf warmem Papier. Zweihundertzwanzig Jahre später arbeitet die UrbanSens-Palette mit denselben Verhältnissen: helle, wenig gesättigte Füllungen, dunklere Zeichen im selben Farbton, gesättigte Farbe nur dort, wo etwas Aufmerksamkeit verlangt.

Der Monopteros im Englischen Garten, 2014
Der Monopteros im Englischen Garten, 26. Oktober 2014. Foto: Julian Herzog, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons.

1.2 Stein, Tusche und Vermessung: die bayerische Uraufnahme, 1808–1864#

In den 1790er-Jahren entdeckte Alois Senefelder, dass sich eine glatte Platte aus Solnhofener Kalkstein, mit fetthaltiger Tusche beschrieben und angefeuchtet, zum Drucken eignet: die Lithografie. Ab 1809 war er Inspektor des königlichen lithografischen Instituts in München, und die bayerische Vermessung griff die neue Technik früh auf.

1808 begann Bayern mit der Uraufnahme, der ersten vollständigen Vermessung jedes Flurstücks im Königreich, für die Grundsteuer. Die Vermessung erfolgte im Maßstab 1:5000, in Dörfern 1:2500 und in Teilen Frankens sogar 1:1250. Mehr als 23 000 Blätter wurden gezeichnet, auf Kalksteinplatten gestochen und gedruckt; die Steine werden bis heute vom Bayerischen Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) aufbewahrt.

Ein Lithografiestein und der davon gezogene Abzug: eine Karte von München mit dem Hofgarten und dem Englischen Garten
Ein Lithografiestein und der davon gezogene Abzug: eine alte Karte von München mit dem Hofgarten und dem Englischen Garten, auf dem Stein spiegelverkehrt, wie es der Druck verlangt. Foto: Chris 73, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Die Zeichen wurden nicht frei gewählt. Die Instruktion von 1808 für die Steuervermessung schrieb für jede Flächenart ein Zeichen vor, und sie liest sich wie der erste Entwurf eines Texturkatalogs:

Vorschrift zur Zeichnungsart für die Pläne der Steuer-Rectifications-Vermessung: Zeichen für Äcker, Wälder, Gebüsch, Wiesen, moosige Wiesen, Weiden, Moos, Gärten, Weinberge, Hopfengärten, Gebäude, Grenzen, Straßen, Flüsse und Brücken
„Vorschrift zur Zeichnungsart für die Pläne der Steuer-Rectifications-Vermessung“: die Zeichenregeln der bayerischen Steuervermessung nach der Instruktion von 1808. Königlich Bayerisches Vermessungsamt, um 1840. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Laub- und Nadelwälder, Gebüsch, Wiesen, moosige Wiesen, Weiden und Ödland, Moos, Gärten, Weinberge und Hopfengärten haben jeweils ein eigenes kleines Zeichen; Gebäude, Grenzen, Wege, Flüsse und Brücken eine eigene Linie. Ersetzen Sie Wiesen durch meadow, Waldungen · Laubholz durch woodland_deciduous und Gärten durch garden, und diese Seite wird zu einer Legende des Katalogs aus Kapitel 3.

1.3 Kronen, Büschel und Lavierungen: die Sprache der Gartenpläne#

Wer Landschaften entwarf, zeichnete mit denselben Mitteln. In Peter Joseph Lennés Plan für den Berliner Tiergarten sind die Wälder aus Tausenden kleiner Kronen aufgebaut, die offenen Rasenflächen behalten den Papierton und die Wege bleiben weiß.

Lennés Plan für den Berliner Tiergarten, 1835
„Verschönerungs-Plan“ für den königlichen Tiergarten in Berlin von Peter Joseph Lenné, gezeichnet von Gerhard Koeber in Feder, Bleistift und Aquarell, 1835. Landesarchiv Berlin. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Ländliche Karten folgten Konventionen, die allen Lesenden vertraut waren. Die Archivbeschreibung dieser handgezeichneten Karte aus Württemberg nennt sie: Häuser rot, Äcker braun, Weinberge mit Rebsymbolen, Wiesen grün, Wälder als Baumsymbole, Wege braun, die Flüsse blau (gezeichnet „nach dem Aug und freier Faust“).

Handgezeichneter Plan des Enzberger Jagddistrikts, Württemberg
Plan des Enzberger Jagddistrikts und der Markung, handgezeichnet, undatiert. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 3 Nr. 47, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons.

der nach dem Aug und freier Faust ist gezeichnet worden

Ende des Titels des Enzberger Plans, Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 3 Nr. 47

Drei Gewohnheiten dieser Zeichnungen wurden zu Regeln des Stils: Zeichen entstehen von Hand, werden aber mit Sorgfalt platziert (das Konturwackeln verdeckt nie die wahre Kante); Textur sagt, was eine Oberfläche ist (Kronen für Bäume, Büschel für Wiese, Wellen für Wasser); und Farbe bleibt ruhig, damit der Plan eine Aussage tragen kann.

1.4 Von Farbwörtern zu Schlüsseln: das 20. Jahrhundert#

Das Planungsrecht machte aus Konventionen Regeln. Die Planzeichenverordnung (PlanZV) legte am 19. Januar 1965 erstmals bundeseinheitliche Planzeichen für Flächennutzungs- und Bebauungspläne fest; die geltende Fassung stammt vom 18. Dezember 1990 und wurde zuletzt am 12. August 2025 geändert. Sie benennt ihre Farben nur in Worten (Grün mittel, Blau mittel) und liefert eine der nützlichsten Regeln für Vegetationssymbole: Ein offenes Zentrum kennzeichnet einen anzupflanzenden Baum, ein gefülltes Zentrum einen zu erhaltenden Baum (Nr. 13.2).

Die Planzeichen sollen in Farbton, Strichstärke und Dichte den Planunterlagen so angepaßt werden, daß deren Inhalt erkennbar bleibt.

Planzeichenverordnung 1990, § 2 Abs. 3

1969 schichtete Ian McHargs Design with Nature transparente Karten von Böden, Wasser, Hangneigungen und Vegetation übereinander, um herauszufinden, wo Bauen am wenigsten schadet: die Überlagerungskarte, die Geoinformationssysteme zur Routine machten. Die internationale Norm für Landschaftszeichnungen, ISO 11091 (1994), regelte, wie Pläne Bestand von Planung unterscheiden: dünne Linien für das Vorhandene, dicke Linien für das Geplante. Das Liegenschaftskataster wurde digital: mit dem Modell ALKIS der deutschen Vermessungsverwaltungen, seinen Objektarten und seinem Signaturenkatalog.

1.5 Offene Daten und ökologische Ziele: das 21. Jahrhundert#

Seit 2004 beschreibt OpenStreetMap die Erdoberfläche in offenen Tags (landuse=meadow, surface=gravel, natural=tree), und sein Carto-Stil machte sie zu einer gemeinsamen Bildsprache. 2017 veröffentlichte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) einen Planzeichenkatalog für Landschaftspläne: helle Farbtöne ohne Kontur für Flächen von geringer bis mittlerer Wertigkeit, gesättigte Farben mit schwarzer Kontur für Flächen von hoher Wertigkeit und braune senkrechte Striche für Brachen. Diese Konvention übernimmt der Stil.

2024 machte die Verordnung (EU) 2024/1991 zur Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Regulation, NRR) urbanes Grün und den Baumkronenanteil zu einem rechtlich verbindlichen Ziel: kein Nettoverlust bis 2030 gegenüber 2024 und ab 2031 ein steigender Trend, gemessen mit Copernicus-Daten. Was eine Karte als Grün zeigt, ist nun auch das, worüber eine Stadt berichtet.

Die Mitgliedstaaten stellen bis zum 31. Dezember 2030 sicher, dass in städtischen Ökosystemgebiete[n] […] kein Nettoverlust an der nationalen Gesamtfläche städtischer Grünflächen und städtischer Baumüberschirmung gegenüber 2024 zu verzeichnen ist.

Verordnung (EU) 2024/1991 (Verordnung zur Wiederherstellung der Natur), Artikel 8 Absatz 1

1.6 2026: ein Katalog#

UrbanSens hat die gewünschte Bildsprache für seine Karten auf einem Blatt festgehalten: Biotoptypen und Oberflächenmaterialien in einem klaren, sanften, leicht handgezeichneten Vektorstil, der in jedem Maßstab funktioniert.

Eine klare, einheitliche und skalierbare Bildsprache für Natur, Oberflächen und Biodiversität in einem professionellen, architektonischen Stil, mit einfachen Vektormustern und Symbolen.

UrbanSens, Referenzblatt des Ecological Vector Style (Übersetzung)

Die UrbanSens-Vorgabe Dasselbe Blatt, von ulg erzeugt
Die Vorgabe: das UrbanSens-Referenzblatt für den Ecological Vector Style. Das Ergebnis: dasselbe Blatt, mit ulg sheet aus dem Katalog erzeugt.

ulg macht aus diesem Blatt eine Bibliothek. Sie behält die Anmutung (ruhige Farben, Texturen, die sagen, was eine Oberfläche ist, maßstabsgerecht gezeichnete Bäume) und verknüpft jedes Element mit den Konventionen, die dieses Kapitel nachgezeichnet hat: den Schlüsseln aus ALKIS, XPlanung, den Biotoplisten und OpenStreetMap, den Bestands- und Planungssymbolen von PlanZV und ISO 11091, den Kennwerten, die Planende ausweisen, und den amtlichen Farben der jeweiligen Konvention, wenn eine Karte ihr folgen muss.

Ein Quartier, sieben Konventionen
Ein Quartier, sieben Konventionen: das Demoquartier im Hausstil und in sechs amtlichen oder vertrauten Konventionen, aus denselben Daten.

Bildnachweise#

Bild Urheberschaft, Datum Lizenz Quelle
Plan des Englischen Gartens (Ausschnitt) Königlich bayerische Direction des Topographischen Bureaus, 1806 gemeinfrei Commons
Monopteros, Englischer Garten Julian Herzog, 2014 CC BY 4.0 Commons
Lithografiestein und Abzug Chris 73, 2006 CC BY-SA 3.0 Commons
Zeichenregeln der bayerischen Steuervermessung Königlich Bayerisches Vermessungsamt, um 1840 gemeinfrei Commons
Tiergarten-Plan Peter Joseph Lenné (Entwurf), Gerhard Koeber (Zeichnung), 1835; Landesarchiv Berlin gemeinfrei Commons
Plan des Enzberger Jagddistrikts unbekannt, undatiert; Landesarchiv Baden-Württemberg, HStA Stuttgart N 3 Nr. 47 CC BY 4.0 Commons
Zeitleiste, Referenzblatt, Stilblatt, Konventionen UrbanSens / mit ulg erzeugt keine dieses Repository

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